Contingent Risk Insurance: Bekannte rechtliche Risiken auslagern

Unvorhersehbare zivilrechtliche Prozesse, Patentstreitigkeiten oder regulatorische Risiken bedrohen den Deal-Flow. Mit einer Contingent-Risk-Police übertragen Sie das finanzielle Risiko auf den Versicherer.

* = Pflichtfeld / Required field

4–12 Wochen

bis zur gezeichneten Police (je nach Komplexität)

2–10 %

Prämie als Einmalzahlung auf die Deckungssumme

M&A & Stand-alone

einsetzbar in Transaktionen und eigenständig

Die Lücke in der W&I-Versicherung

Die Contingent-Risk-Versicherung gehört zu den jüngsten Instrumenten des Risikotransfers, und zu den am wenigsten bekannten. Selbst erfahrene Entscheider aus Industrie und Mittelstand begegnen ihr häufig zum ersten Mal, wenn ein identifiziertes Rechtsrisiko eine Transaktion zu blockieren droht. Das Prinzip ist einfach: Während die W&I-Versicherung unbekannte Risiken aus dem Unternehmenskaufvertrag deckt und bekannte Risiken ausdrücklich ausschließt, übernimmt die Contingent-Risk-Versicherung genau diese ausgeschlossene Kategorie, als konkret benanntes, rechtlich strittiges Einzelrisiko. Sie ist damit das rechtliche Gegenstück zur Steuerversicherung, die dieselbe Lücke für identifizierte Steuerrisiken schließt.

Bekannt vs. unbekannt: W&I deckt unbekannte Garantieverletzungen, Steuer- und Contingent-Risk-Versicherung die identifizierten Risiken, letztere den rechtlichen Teil (orange markiert).

International tritt die Contingent-Risk-Versicherung in mehreren Formen auf, von der Absicherung einzelner Deal-Risiken bis zur Absicherung laufender Gerichtsverfahren. Baerkraft konzentriert sich auf den transaktionsnahen Einsatz: die Absicherung identifizierter rechtlicher Einzelrisiken im Rahmen von Unternehmenskäufen, Umstrukturierungen und Finanzierungen. Der Markt für diese Deckungen wächst international deutlich; die Kapazitäten werden überwiegend über die Londoner Spezialmärkte gestellt.

01

Wirtschaftlicher Mehrwert & Bilanzoptimierung

Der Einsatz einer Contingent-Risk-Police (CRI) bietet signifikante Vorteile für CFOs und Transaktionsverantwortliche:

Vorteil 01

Bilanzentlastung

Für drohende rechtliche Risiken müssen Unternehmen erhebliche Rückstellungen bilden. Der Transfer auf einen Versicherer kann die Grundlage schaffen, diese zu reduzieren oder aufzulösen. Gebundenes Kapital wird frei, die Bilanzkennzahlen können sich verbessern. 

Vorteil 02

Kein Escrow-Konto

Wie bei der Steuerversicherung müssen keine nennenswerten Teile des Kaufpreises auf Treuhandkonten blockiert werden. Der Verkäufer erhält den vollen Kaufpreis ausbezahlt, ein echter Clean Exit. Zugleich sinken die Kapitalkosten der Transaktion, weil kein Geld über Jahre gebunden bleibt.

Vorteil 03

Sicherheit für Kreditgeber

Bei komplexen Akquisitions- oder Projektfinanzierungen fordern Banken oft die Absicherung diskreter Risiken. Die Contingent-Risk-Police agiert hier als Deal-Enabler. Sie ermöglicht Kreditzusagen und gibt dem Kreditgeber die Sicherheit, die er für die Finanzierung benötigt.

02

Der Weg zur Police

Der Weg zur Contingent-Risk-Police folgt einem eigenen Rhythmus:

Schritt 01

NDA zuerst

Bevor Unterlagen fließen, schließen Mandant und Baerkraft ein Non-Disclosure Agreement, digital signiert, in wenigen Minuten. Diskretion ist bei identifizierten Rechtsrisiken keine Formalie, sondern Voraussetzung.

Schritt 02

Strukturierte Risikodarstellung

Sachverhalt, strittige Rechtsfrage, Gegenargumente und Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit vs. Schadenhöhe werden auf Basis vorhandener Unterlagen als Report erstellt, um eine Marktgängigkeits-Einschätzung zu ermöglichen, bevor kostenintensive Gutachten beauftragt werden.

Schritt 03

Legal Opinion

Für das verbindliche Underwriting wird eine fundierte Stellungnahme einer Kanzlei benötigt: Hintergrund, anwendbares Recht, quantifizierte Einschätzung des Risikos.

Schritt 04

Vertrauliche Marktansprache

Baerkraft bereitet die Submission auf und spricht die in Frage kommenden Spezialversicherer NDA-gesichert an.

Schritt 05

Underwriting und Zeichnung

Der Versicherer prüft Aktenlage und Rechtsposition; der Auslösetatbestand der Police wird präzise definiert etwa eine Behördenentscheidung, eine gerichtliche Entscheidung, ein Schiedsspruch oder ein zustimmungspflichtiger Vergleich.

Von der Einreichung der Unterlagen bis zur gezeichneten Police vergehen typischerweise vier bis zwölf Wochen.

„Die W&I-Versicherung deckt ausschließlich unbekannte Garantieverletzungen — identifizierte Risiken schließt sie aus. Genau diese bekannten Einzelrisiken sichert die Contingent-Risk-Versicherung ab.“

03

Typische Anwendungsfälle

Eine Contingent-Risk-Insurance (CRI) ist immer dann die richtige Lösung, wenn ein spezifisches rechtliches Risiko im Rahmen der Legal Due Diligence identifiziert wurde, das von einer herkömmlichen W&I-Police ausgeschlossen ist:

Anwendungsfall A

Laufende Rechtsstreitigkeiten (Litigation Buy-Out)

Ein anhängiger Zivilprozess gegen die Zielgesellschaft droht unkalkulierbare Schadensersatzzahlungen nach sich zu ziehen. Die CRI deckt den potenziellen Verlust ab, falls das Verfahren negativ ausgeht, und entlastet das operative Geschäft.

Anwendungsfall B

IP- und Patentrechtsrisiken

Unsicherheiten bezüglich der Rechtsgültigkeit von Schlüsselpatenten oder drohende Markenrechtsklagen im Ausland lassen sich wirksam absichern, um die Investitionssicherheit für Käufer oder Lizenznehmer zu garantieren.

Anwendungsfall C

Kartell- und Wettbewerbsrecht (Competition Law)

Unklare kartellrechtliche Implikationen oder drohende Bußgelder wegen angeblicher Wettbewerbsverstöße können durch individuell strukturierte CRI-Konzepte eingegrenzt werden.

Anwendungsfall D

Regulatorische Unwägbarkeiten

Änderungen oder unklare Auslegungen von Branchenvorschriften (z.B. im Biotech-, Pharma- oder Technologiesektor) können im Transaktionskontext abgesichert werden, sofern fundierte Legal Opinions vorliegen.

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Wann ist ein Risiko versicherbar?

Ob ein identifiziertes Risiko marktgängig ist, lässt sich an drei Kriterien festmachen:

1

Die offene Frage ist eine Rechtsfrage.

Der Sachverhalt ist dokumentiert und unstrittig; ungewiss ist allein, wie eine Behörde, ein Gericht oder ein Schiedsgericht ihn rechtlich bewertet. Reine Sachverhaltsrisiken mit ungeklärter Faktenlage sind nicht versicherbar.

2

Die Schadenhöhe ist quantifizierbar.

Der mögliche Verlust lässt sich belastbar beziffern, als Nachforderung, Schadensersatz, Bußgeld oder entgangener Anspruch. Wie genau er sich quantifizieren lässt, beeinflusst die Prämie. Risiken, deren Schadenhöhe offenbleibt, sind nicht versicherbar.

3

Die Rechtsposition ist fundiert dokumentiert.

Grundlage des Underwritings ist eine Legal Opinion oder ein vergleichbares Memo einer Kanzlei mit Expertise in der betroffenen Rechtsordnung. Je weiter ein Verfahren fortgeschritten und je vollständiger die Aktenlage, desto präziser können Versicherer das Risiko bewerten.

Am besten versicherbar sind Risiken mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, aber erheblicher wirtschaftlicher Tragweite.

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Wissenswertes · Contingent Risk

Antworten auf häufige Fragen

Versicherbar sind identifizierte rechtliche Einzelrisiken mit ungewissem Ausgang, bei denen der Sachverhalt dokumentiert ist, die finanzielle Auswirkung quantifiziert werden kann und die offene Frage im Kern eine Rechtsfrage ist, etwa eine strittige Rechtsposition, ein Verwaltungsverfahren, ein drohender oder bereits anhängiger Rechtsstreit oder eine regulatorische Unsicherheit. Am besten versicherbar sind Risiken mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, aber erheblicher wirtschaftlicher Tragweite. Nicht versicherbar sind reine Sachverhaltsrisiken mit ungeklärter Faktenlage, Risiken ohne belastbare Quantifizierung der möglichen Schadenhöhe sowie bereits rechtskräftig festgestellte Verluste.

Für eine erste Markteinschätzung genügt in der Regel eine strukturierte Risikodarstellung: der dokumentierte Sachverhalt, die strittige Rechtsfrage, mögliche Gegenargumente sowie eine Einschätzung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe. Für das verbindliche Underwriting wird regelmäßig eine fundierte Legal Opinion oder ein vergleichbares Memo einer Kanzlei mit Expertise in der betroffenen Rechtsordnung benötigt. Ob ein Risiko marktgängig ist, lässt sich meist schon vor der Beauftragung kostenintensiver Gutachten einschätzen.

Die Prämie ist eine Einmalzahlung und wird als Prozentsatz der Deckungssumme kalkuliert. Marktüblich ist, abhängig von Eintrittswahrscheinlichkeit, Quantifizierbarkeit und Verfahrensstand, häufig eine Spanne von etwa 2 % bis 10 % der Deckungssumme; bei anhängigen streitigen Verfahren kann sie darüber liegen. Hinzu kommen eine Underwriting Fee für die rechtliche Prüfung des Versicherers sowie gegebenenfalls Versicherungsteuer.

Von der Einreichung der Unterlagen bis zur gezeichneten Police vergehen je nach Komplexität typischerweise vier bis zwölf Wochen; weniger komplexe Risiken lassen sich schneller platzieren. Für Transaktionen bedeutet das: Je früher ein in der Due Diligence identifiziertes Risiko in die Ausschreibung geht, desto geringer ist das Risiko, dass es den Signing-Zeitplan bestimmt.

Der Auslösetatbestand wird in der Police präzise definiert, zum Beispiel eine Behördenentscheidung, eine gerichtliche Entscheidung, ein Schiedsspruch, eine Kostenentscheidung oder ein mit Zustimmung des Versicherers geschlossener Vergleich. Tritt der definierte Fall ein, ersetzt der Versicherer den vereinbarten Schaden oberhalb eines etwaigen Selbstbehalts bis zur Deckungssumme.

Die W&I-Versicherung deckt ausschließlich unbekannte Garantieverletzungen – identifizierte Risiken schließt sie aus. Genau diese bekannten Einzelrisiken sichert die Contingent-Risk-Versicherung ab. Gegenüber vertraglichen Lösungen wie Verkäuferfreistellung, Kaufpreisabschlag oder Escrow hat sie einen strukturellen Vorteil: Sie bindet den Verkäufer nicht über das Closing hinaus, hängt nicht von dessen künftiger Bonität ab und blockiert keinen Teil des Kaufpreises auf Treuhandkonten.

Ja. Contingent-Risk-Policen werden zunehmend stand-alone eingesetzt,  um das finanzielle Risiko eines anhängigen Verfahrens für die Beklagtenseite zu deckeln oder um Finanzierungen und Investorengespräche von einem bekannten Rechtsrisiko zu entlasten. Ob und in welchem Umfang dadurch bilanzielle Rückstellungen angepasst werden können, ist eine Frage der Rechnungslegung im Einzelfall und mit dem Wirtschaftsprüfer zu klären.

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Weitere Transaktionsrisiken

Für unbekannte Risiken

Warranty & Indemnity (W&I-Versicherung)

Für identifizierte steuerliche Risiken

Steuerversicherung (Tax Insurance)

Transactional Risk Hub

Die drei Säulen des Risikotransfers

NDA-gesicherter Online-Intake

Transaktionsdaten einreichen

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